Das Rektorat bezieht Stellung zu der Situation am 11.12.
Unmittelbar nach der Veranstaltung „Meine Rechte als Prüfling“ am 11.12.2025, über die auch Hertz 87.9 berichtet hat, hatte der AStA, kurz für Allgemeiner Studierenden Ausschuss, einen offenen Brief an das Rektorat der Uni Bielefeld veröffentlicht. In diesem macht der AStA der Universitätsleitung Vorwürfe und endet mir der Forderung, die Universitätsleitung solle sich erneut glaubhaft von Martin Schwab und seinen politischen Aktivitäten distanzieren. Da der Brief die Woche vor der Winterschließung und auch die Woche danach unbeantwortet blieb, hat die Hertz 87.9-Redaktion eine Stellungnahme vom Rektorat angefragt. Diese wurde schriftlich beantwortet. Erkenntnisse zu der Position des Rektorats der Universität Bielefeld, findet ihr in diesem Beitrag:
Beitrag Veranstaltung Martin Schwab
Zusätzlich hat Hertz 87.9 mit den AStA-Vorsitzenden in einem Studiogespräch gesprochen. Dort beziehen die beiden zu verschiedenen Aussagen des Rektorats Stellung:
Studiogespräch mit dem AStA
Transkript des Studiogesprächs:
Moderation: Der AStA-Vorsitz ist heute Morgen auch zu Besuch: Sebastian Sieg und Rosa Blißenbach. Schön, dass ihr da seid!
Rosa: Hallo!
Sebastian: Hi!
Moderation: Der AStA hat diesen offenen Brief an das Rektorat geschickt. Was hat sich denn der AStA durch diesen Brief erhofft?
Sebastian: Ja, in erster Linie natürlich erstmal eine Reaktion auf das, was da an dem Donnerstagabend passiert ist, das haben wir auch in dem Beitrag gerade gehört, noch nichts. Da wurden wir bisher leider geghosted. Ja, hoffentlich kommt da in irgendeiner Art und Weise noch was. Und es geht uns natürlich darum, dass sich diese Situation nicht wieder wiederholt. Studierende also nicht wissentlich irgendwelchen Gefahren hier auf dem Campus ausgesetzt werden.
Moderation: Ja, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass ein paar Tage vor dem Vortrag von Martin Schwab ist ja auch einen anderen Vortrag auf dem Campus gab. Da zu akademischen Antisemitismus, der koordiniert gestört wurde. Da hat sich Rektorin Epple drei Tage später mit einem persönlichen Statement sogar gemeldet. Wie seht ihr das, dass das Rektorat darauf eine Antwort gefunden hat, aber auf euren offenen Brief, am 11. Dezember, jetzt noch nicht? Habt ihr die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass da noch eine Antwort kommt?
Sebastian: Ja, ich glaube die sollte man nie aufgeben. Man darf die Veranstaltung glaube ich nicht zu sehr in einen Topf werfen. Dennoch gibt es diese eine Schnittmenge, dass das Rektorat persönlich Frau Epple am Vormittag dieses Donnerstags, an dem wir dann Abends im X-Gebäude standen, das persönliche Statement veröffentlicht hat. Ganz groß überschrieben: mit jeglicher Antisemitismus hat hier keinen Platz. Am Abend dann Martin Schwab und Gruppen die zumindest dann antisemitische Verschwörungstheorien nah stehen. Da den Teppich auszurollen, da muss man zumindest ein großes Fragezeichen dran machen.
Moderation: Die Uni sagt ihr Sicherheitskonzept habe funktioniert. Ihr wart selbst ja auch da, und meint in dem offenen Brief ihr hättet auf die Risiken hingewiesen. Ist das auch euer Eindruck, dass das Sicherheitskonzept funktioniert hat?
Rosa: Ja, ehrlicherweise, also wenn man vor Ort war und schon am Eingang, wenn man das X-Gebäude betreten hat, schon gefilmt wurde. Vorm Eingang standen große Hunde. Und auch vor Ort vor dem Hörsaal war klar, dass da auf jeden Fall ein aggressives Auftreten vorhanden war und auch die Provokation von den Gästen, den Anhängern Schwabs, ausgegangen ist. Und diese bis zu diesem Trennen, bis die Studierenden in dem anderen Hörsaal waren, nicht unterbunden wurde, bis zu dem Zeitpunkt. Also meiner Meinung nach, oder unserer Meinung nach nicht.
Moderation: Es gibt Bilder von der Veranstaltung, die gibt’s zum Beispiel auf Instagram zu sehen. Und auf Anfrage hat das Rektorat uns geantwortet, man bedauere, dass es zu einer „emotionalen und aufgebrachten Situation“ gekommen ist. Wenn man jetzt diese Bilder gesehen, und ihr wart ja selbst auch da, wie würdet ihr euch wünschen, dass die Uni in Zukunft mit solchen Situationen umgeht?
Sebastian: Ja, ehrlicherweise hat mich das ein bisschen schockiert, weil von dem bedauern können wir uns jetzt im Nachhinein auch nichts mehr kaufen. Wir haben in der gesamten Woche davor mit dem Rektorat intensiv über diesen Fall gesprochen, auf die Risiken hingewiesen und immer wieder gesagt, allein aus Sicherheitsbedenken sollte diese Veranstaltung in dieser Form so nicht stattfinden. Jetzt im Nachhinein von einem Sicherheitskonzept zu sprechen, was funktioniert hat und davon dass da irgendwie zwei Gruppen auseinander gehalten werden konnten. Das ist aus meiner Sicht wirklich der Euphemismus des Tages. Da haben wir offensichtlich wirklich andere Situationen erwähnt.
Moderation: Ja in eurem offenen Brief fordert ihr vom Rektorat, dass sie sich glaubhaft distanzieren, von Martin Schwab und seinen politischen Aktivitäten. In dem Beitrag haben wir eben gehört, die Uni sagt sie distanziert sich von menschenverachtenden Aussagen. Betont in der selben Antwort zusätzlich auch, dass Herr Schwab sich auf die Meinungsfreiheit berufe. Haltet ihr denn diese Distanzierung des Rektorats an dieser Stelle für glaubhaft?
Sebastian: Ja ehrlicherweise sich von menschenverachtenden Aussagen zu distanzieren hat aus meiner Sicht jetzt keinen Applaus verdient, das ist irgendwie bare minimum. Ich find’s gut, dass das Rektorat das macht, aber das erwarte ich auch unabhängig von dieser Veranstaltung von denen. Ich verstehe die Zwänge, in denen ein Rektorat steckt, mit allem, was dazu gehört. Herr Schwab ist ja auch Beamter. Dennoch nehme ich kein Signal wahr, dass im Zweifel auch in diesem Kontext ernsthafte Prüfungen laufen welche Möglichkeiten es denn da gibt. Und zumindest die, oder ein Signal, dass es diese gibt, erwarte ich mir. Ich verstehe, dass das Rektorat nicht morgen sagen kann: „Gib uns deinen Schlüssel und Tschüss“.