Post von Wagner

Moderation: Markus Reiferscheid

Zugegeben, die Überschrift ist schon ein bisschen merkwürdig um den Eröffnungstext der ersten Kolumne eines Campusradiosenders an den Leser zu bringen. Auf der anderen Seite konnte ich einfach nicht anders. Warum auch? Fast jeder, der schon mal in den literarischen Hochgenuss des auflagenstärksten Printmediums in Deutschland gekommen ist, wird sich an den „Chefkolumnisten“ des Axel Springer Verlags erinnern. Ich meine er hat sogar ein Foto bekommen, ein fucking Foto! Leider sieht der Schönling, der den Leser auf der Bildzeitung anlächelt dann doch nicht mehr so toll aus. Ist vielleicht aber auch normal, wenn man so alt ist, dass man von sich behaupten kann, im Protektorat Böhmen geboren worden zu sein.

Aber hey, die freche Zahnlücke auf seinem gefühlt hundert Jahre alten Foto hat er immer noch. Der routinierte Zahnlückenanalyst kann in seiner Interpretation von Wagner selbstverständlich auf Goofy verweisen. Allerdings konnte der beste Freund von Micky (ich weiß übrigens bis heute nicht, was für ein Tier Goofy eigentlich sein soll, wenn Pluto der Hund ist!) nie mit der Schlagzeile „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen- Ganz Bernau ist glücklich, dass er Tod ist“ punkten. Wagner mit Goofy zu interpretieren ist also so, als ob man sich kurz vor der Deutschklausur noch schnell das Buch durchliest um sich dann irgendwie auf eine drei zu retten. Eine eins dagegen bekommt man für die Feststellung, dass der Typ auf dem Cover des Mad-Magazines auch eine Zahnlücke hat, die sogar noch viel mehr Ähnlichkeit mit der von Wagner besitzt. Zwei Punkte lassen sich daraus jetzt ableiten. Hätte es in der Schule das Fach „Zahnlücke“ gegeben, wäre ich heute wahrscheinlich Medizinstudent. Und Franz Josef Wagner ist vielleicht die menschliche Inkarnation von Goofy und dem Typen auf dem Mad-Magazin.

Wenn Hertz87.9 so viel Geld wie Axel Springer hätte, würde Franz Josef Wagner vielleicht auf dieser Seite schreiben. Nun muss sich der Sender wohl mit einem weniger sakral anmutenden Autor begnügen. Glück für mich (kaum zu fassen, dass ich hier einfach jeden Scheiß reinschreiben kann, den ich will!), Pech für das Campusradio! Immerhin muss ich mir keine Vorwürfe gefallen lassen, mit der Überschrift habe ich mein Bestes gegeben! Leider brauche ich in Zukunft andere Überschriften, wenn ich nicht will, dass Axel Springer mich verklagt aber einmal klauen geht schon klar. In den nächsten Wochen schreib ich vielleicht auch lieber über Politik oder Hochschule oder mach einfach Medienbashing. Eigentlich wie Franz Josef Wagner. Nur ohne Zahnlücke.