Kommentar Weltfrauentag

Und? Hat euch heute schon jemand zum Frau-sein gratuliert? Habt ihr Blumen oder Pralinen geschenkt bekommen oder mit pinken Drinks reingefeiert – denn wir wissen ja alle, das ist was Frauen eigentlich wollen – wer braucht und will schon gleiche Rechte?
Aber brauchen wir wirklich nen Weltfrauentag, wenn am Ende nur Gendermarketing damit betrieben wird?

Ein Kommentar von Marle Krokowski:

“Das ist einmal mehr eine gute Gelegenheit, euch ‘Danke’ zu sagen, dass es euch gibt, dass ihr uns Männer immer wieder den Rücken stärkt und freihaltet, unser Leben bereichert, uns Kinder schenkt und uns auch gelegentlich mal mit so viel Geduld ertragt. Dafür gibt es Blumen von mir!”
So ähnlich wie der von Kai Pflaume klangen viele Posts in den Sozialen Netzwerken am Weltfrauentag in den letzten Jahren. Und überall findet man in den Läden Geschenke und Tipps über welche kleine Aufmerksamkeit Frau sich am meisten freut: Parfüm, Blumen, Schmuck. Der Weltfrauentag am 8. März ist in seinem Ursprung schon über 100 Jahre alt. Aber in letzter Zeit wird er immer mehr kommerzialisiert. Entstanden ist er als Kampf um Wahlrecht, Gleichberechtigung und Emanzipation von Arbeiterinnen. Heute könnte man meinen, es geht darum, den gesellschaftlichen Standpunkt von Frauen zu festigen, indem man den Weltfrauentag als ‚Feier der Weiblichkeit‘ abstempelt und Frauen mit Geschenken abspeist. Wie bei Germany‘s Next Topmodel werden ‚Powerfrauen‘, ‚Ladies‘ und ‚Mädels‘ adressiert, Rossmann wurde letztes Jahr in Rossfrau umbenannt und online wird sich gegenseitig zum Frau-sein gratuliert. Dass es aber auch heute noch keine vollständige soziale und wirtschaftliche Gleichberechtigung gibt, darüber redet man auch am Weltfrauentag nicht. Und schaut man nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf den Rest der Welt, werden die Probleme der Frauen nicht weniger. Es geht hier nicht darum, Männer mit Geduld zu ertragen und, wie Daniela Katzenberger letztes Jahr gepostet hat, alle 4 Wochen zickig sein zu dürfen. Es geht um Themen wie Gewalt an Frauen und Kindern, um Sexismus und Ethnosexismus, Zwangsheirat im Kindesalter, Bildung für Mädchen oder Genitalverstümmelung. Die Liste ist endlos und je nach Land und Kultur verschieden. Auch wenn viele der Meinung sind, in Deutschland seien Frauen laut dem Gesetz gleichberechtigt, sind sie in der Realität vor Sexismus und sexistischer Gewalt nicht sicher.
Der Weltfrauentag am 8. März ist eine Gelegenheit, Kommunikation zu stärken und allen Menschen diese Themen ins Gedächtnis zu rufen. Es geht um das Bewusstsein, dass Frauen weltweit noch benachteiligt sind und diese Benachteiligung Frauen und Mädchen in einigen Ländern das Leben oder ihre Gesundheit kosten kann. Kaufen wir also keine Geschenke, sondern informieren wir uns.