30 Jahre! Und immer noch relevant(?)

Genau 30 Jahre ist es her, da erschien ein Album auf der Bildfläche, das Geschichte schreiben sollte. Das erfolgreichste Debüt, das eine Rockband je veröffentlicht hat, Appetite for Destruction von Guns N‘ Roses, wurde bis heute über 30 Millionen Mal verkauft. Wie gut ist das Album wirklich und vor allem: Ist es heute noch relevant?

Beim InTakt Spezial kümmern wir uns eine Stunde um diesen Klassiker. Wir diskutieren über Appetite for Destruction, ordnen es historisch in seine Zeit ein und analysieren die Musik dahinter. Ist Appetite for Destruction wirklich gut oder doch nur ein Guilty Pleasure von Ewiggestrigen?

Wichtig ist auch die Geschichte zum Cover des Albums. Ein Text von Christian Meinholz.

Die Covergestaltung zu Appetite For Destruction, Guns N‘ Roses‘ Debüt, sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Sänger Axl Rose hatte ursprünglich die Idee, die explodierende Challenger-Rakete auf das Cover der ersten Platte der Gunners zu drucken. Produzent Mike Clink und die Plattenfirma Geffen Records durchkreuzten die Pläne des Frontmanns und eine andere Lösung musste her.

Robert Williams, ein Künstler, war zum Zeitpunkt der Arbeit an Guns N‘ Roses‘ erstem Album schon eine Underground-Kultur-Legende. Er malte „Psychedelic-Mashups“ mit den Themen Autos -im speziellen Hot-Rods- schöne Frauen und mit Stielaugen glotzende Männer. Diese Mixtur stellte er in den Kontext von Sex, Gewalt und Sarkasmus. So wundert es wohl nicht, dass Axl Rose die Werke des Enfant Terrible der West-Coast-Kunstszene in Betracht zog, um eine Alternative für die Covergestaltung zu finden; waren die Gunners doch ihrerseits Teil einer Musikszene, die in den 1980er Jahren durch ihre Wildheit und ihre grenzenlos erscheinende Rebellion gegen die Normalität aufzufallen wussten. Eben diese Wildheit und Eigensinnigkeit wirkte faszinierend auf Robert Williams. Er stand dieser Musikerbewegung nahe. Als Axl Rose mit dem Wunsch nach Unterstützung bei der Besetzung des Covers auf ihn zukam, wusste er nach eigenen Angaben schon ganz genau, wohin die Reise für die Band gehen würde und prophezeite eine Achterbahnfahrt auf der Rasierklinge mit dem wohlbekannten Ende.

Das Motiv zu Appetite for Destruction ist durchzogen vom unbedingten Zerstörungswillen verschiedener Kräfte. Ein mit Messerzähnen ausgestattetes, blutrotes Monster, das über einen Bretterzaun springt, um einen Roboter zu attackieren, dem während der Szene die als Glühbirnen dargestellten Sicherungen vor Schreck im Kopf zerspringen, steht die vorweg begangene Vergewaltigung einer als Straßenverkäuferin dargestellten Frau entgegen. Die in einem psychedelischen Stil dargestellte „Cartoon-Szene“ kann als wutentbrannter Racheakt gedeutet werden, bei der die unsagbare Handlung einer Vergewaltigung durch Gegengewalt gesühnt wird. Robert Williams schafft es die Szene so wirken zu lassen, als wäre der Rachedurst und der Ruf nach einer sühnenden Gewalttat nötig und greifbar.

Im Kontext der damaligen Bandzustände ein passender Spiegel der Gunner-Seelen. Sie waren in der Lage, zusammen etwas Kreatives zu schaffen, aber gleichzeitig in der Lage alles durch ihre selbstzerstörerische Eigenwillige Art wieder zum Einsturz zu bringen.

Für die Öffentlichkeit war die Gestaltung des Covers noch eine Spur zu hart und ihrer Zeit voraus. Anfangs mussten die Alben in den USA und in Großbritannien unter der Ladentheke verkauft werden, bis sie auf dem Index landeten. Ein dritter Anlauf brachte dann das gewohnte Cover mit den Bandmitgliedern als Totenköpfe an einem Kreuz. Diese Darstellung hatte Axl Rose von einem Tattoo auf seinem Unterarm entlehnt.