Wo bleibt eine klare Positionierung der Universität?

Ein Kommentar von Helen Bielawa:

Gewalt geht gar nicht. Das ist in etwa das Statement der Uni. Schön und gut. Es gibt aber noch ein paar andere Sachen, die nicht gehen. Zum Beispiel Antisemitismus. Oder einen Genozid zu leugnen. Inhaltlich scheint die Universität aber wohl nicht zu interessieren, was bei Veranstaltungen von Hochschulgruppen so passiert.
Am Dienstag hat KulTürk mal wieder einen umstrittenen Referenten eingeladen. Sezer Özcan hat über die Flüchtlingskrise in der Türkei referiert. Obwohl man von FlüchtlingsKRISE nach diesem Vortrag eigentlich gar nicht mehr sprechen dürfte – Özcan stellte das Flüchtlingslager in Gaziantep als wahres Paradies dar. Kostenlose Sprachkurse, Kleidung, Freizeitangebote, nichts fehlt den Flüchtlingen in Gaziantep. Fotos von Präsident Erdogan mit einer glücklich lächelnden syrischen Familie rundeten das Ganze ab.
Kritische Fragen konnte ich zwar stellen – fundierte Antworten gab’s nicht. Menschenrechtsverletzungen in Gaziantep? Der UNHCR hat was Falsches berichtet. Pressefreiheit? Ach, man kann doch bei türkischen NGOs anrufen, die sagen einem alles, was man wissen will.
Dass das kein wissenschaftlicher Vortrag war, dürfte klar sein.
Hinzu kommt Kritik am Referenten selbst. Er hat mal an der Uni Bielefeld promoviert, Angestellter der Uni ist er nicht mehr. 2015 hat er ein antisemitisches Bild auf Facebook veröffentlicht. „Bei den Inhalten seines Vortrags handelt es sich um seine persönliche Meinung, die das Rektorat nicht bewertet“, heißt es im Statement der Uni.
Wer Postkarten und Buttons mit der Aufschrift „Uni ohne Vorurteile“ verteilt, sollte aber schon den Mut haben, die Meinung von Antisemiten zu bewerten. Und zu verurteilen.
Sich auf Meinungsfreiheit zu berufen und hinter Floskeln zu verstecken, Studierende zur Harmonie aufzurufen und generell Gewalt abzulehnen reicht da nicht. Meinungsfreiheit hat Grenzen. Die sollte die Universität klar abstecken.