Suchst du noch oder wohnst du schon?

Über 30.000 Menschen studieren derzeit an Hochschulen in Bielefeld. Mit dem rapiden Anstieg der Studierendenzahlen konnte die Anzahl der Wohnheimplätze des Bielefelder Studierendenwerks in den letzten Jahren allerdings nicht mithalten.

2400 öffentlich geförderte Wohnheimplätze des Bielefelder Studierendenwerks kommen auf derzeit weit über 30.000 Studierende an den Hochschulen in der Stadt - damit folgt Bielefeld, genau wie bei der Entwicklung der Studierendenzahlen, einem bundesweiten Trend. Zwar ist Bielefeld ein klassischer Hochschulstandort zum Pendeln, viele Studierende kommen per Bahn von außerhalb zum Studieren in die Stadt. Aber Studierende, die in Bielefeld wohnen möchten, haben es gerade nicht besonders leicht. Dazu kommt der zwischenzeitliche Wegfall des Studierendenwohnheims an der Stennerstraße.

Studierendenwerk Bielefeld: 300 zusätzliche Wohnheimplätze

Dass es in Bielefeld mehr Wohnheimplätze braucht, findet auch Studierendenwerk-Pressesprecherin Annette Vormbrock-Reinert: „Wir fänden‘s eigentlich schön, wenn wir noch mindestens zusätzlich 300 Wohnheimplätze haben könnten". Dafür braucht es allerdings Grundstücke, Geld und Baugenehmigungen. Vor allem ist das Studierendenwerk Bielefeld dabei auf öffentliche Förderungen angewiesen, weil es selbst keine eigenen Mittel erwirtschaftet. Studentenwerke und auch ihr Dachverband fordere deswegen bereits seit langem, dass die öffentliche Hand wieder Förderprogrammespeziell für Studierendenwerke auflegt, damit mehr Wohnheime gebaut werden können.

Für mehr Studierendenwohnheime braucht es aber nicht nur finanzielle Unterstützung für das Studierendenwerk Bielefeld, sondern in erster Linie auch Baugrundstücke. Die sind allerdings bei der derzeitigen Lage auf dem Immobilienmarkt auch in Bielefeld nicht besonders günstig zu bekommen. Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen hat deshalb die Absicht erklärt, die Bielefelder Baulandstrategie zugunsten des sozialen Wohnungsbaus zu erneuern. So will Clausen mögliche Baugrundstücke, die die Stadt zunächst selbst erwerben und dann verkaufen soll, nicht mehr nach Höchstpreisverfahren verkaufen, sondern auch entsprechend den geplanten Mietkonditionen entscheiden. Dafür müsse die Stadt aber stark investieren, um Baugrund selbst erwerben zu können.

OB Clausen: Baugrund nicht mehr nach Höchstpreis verkaufen

Um das Vorhaben tatsächlich auch umzusetzen, brauche es daher auch eine Aufstockung der finanziellen Landes- und Bundes-Mittel für den sozialen Wohnungsbau. Hier sei zwar bereits einiges passiert, Clausen wünscht sich aber dennoch mehr Unterstützung von Bund und Land. Unterstützung vom Bund wünscht sich Clausen auch in einer weiteren wichtigen Frage der Bielefelder Grundstückspolitik – nämlich der Frage nach den Grundstücken, die zur Zeit noch von der britischen Armee genutzt werden. Nach dem Abzug der Briten im Jahr 2020 würde Clausen diese Grundstücke gern für den sozialen Wohnungsbau nutzen. Dafür werden Verhandlungen weitere mit dem Bund als Eigentümer der Flächen nötig.

Es soll sich also so einiges tun für Studierende auf dem Bielefelder Wohnungsmarkt. Mehr Wohnheimplätze wünscht sich das Bielefelder Studierendenwerk, mehr sozialen Wohnungsbau, vor allem durch eine neue Baulandstrategie wünscht sich Oberbürgermeister Pit Clausen. Ob und wie diese Wünsche und Pläne in naher Zukunft umgesetzt werden können, hängt dabei allerdings von einigen weiteren Faktoren ab: Es braucht finanzielle Förderungen, genügend geeignete Bauflächen und nicht zuletzt auch die politische Zustimmung des Rates der Stadt Bielefeld. Der entscheidet voraussichtlich im Juni über die neue Baulandstrategie.