Interview mit dem Pressesprecher der Uni zur “Überarbeiteten Planung der Universitätsmodernisierung”

Anmerkung: Das ist die transkribierte Version eines Interviews, das Hertz 87.9 mit Ingo Lohuis, dem Pressesprecher der Universität Bielefeld, geführt hat. Es geht um die Universitätsmodernisierung und die Änderungen an den ursprünglichen Planungen. Das Interview als Audio ist oben ebenfalls eingebunden:

Hertz 87.9: Es geht um die Änderungen am Bauplan am ersten Bauabschnitt und es hat einige Streichungen gegeben, warum hat es diese Streichungen gegeben?
Lohuis: Es ist ja kein Geheimnis, dass die Planungen für diesen ersten Bauabschnitt ins Stocken geraten waren. Wir hängen da zeitlich und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat in Abstimmung mit der Universität im vergangenen Jahr eine Risikoprüfung mit einem externen Gutachter durchgeführt. Der hat sich das Projekt über Monate genau angeguckt, hat einen Abschlussbericht geliefert und jetzt werden die Konsequenzen daraus gezogen. Eine Konsequenz ist, dass sich die Projektstruktur verändert hat, dass es einen neuen Projektleiter gibt, der aus Dortmund kommt und ein Projektteam aufgebaut hat. Das ist das eine, das zweite ist: Dieses Team hat sich die Risiken, die in den Planungen steckten, genau angeguckt und Konsequenzen gezogen. Und daraus sind auch Konsequenzen gezogen auf das Aussehen und die Funktionalität des Gebäudes.
Hertz 87.9: Wie sehen diese Risiken aus, nach welchen Maßstäben ist da geurteilt worden?
Lohuis: Das sind Bauingenieur-Risiken, die dann auch schlecht kalkulierbar sind. Also der Neubau sollte sehr weit in das Bestandsgebäude reingebaut werden. Das sollte genauso wie der Eingangsbereich über drei Etagen sehr offen sein und dafür hätte auch der Turm abgerissen werden sollen. Da kommen einfach statische Herausforderungen auf die Planer zu, die sie jetzt tatsächlich gestrichen haben, indem sie gesagt haben, wir müssen jetzt dafür Lösungen finden. Lösungen sehen so aus: Der Turm vor dem Haupteingang bleibt beispielsweise stehen, der Haupteingang wird nicht über drei Geschosse geöffnet, sondern zwei, das ist eine Konsequenz. Das zweite ist, der Neubau rückt vom Altgebäude ab, also nicht reingebaut, sondern drangebaut und es gibt Brückenübergänge, die geschaffen werden aber es wird nicht in die Statik eingegriffen. Und ein weiterer Aspekt ist, dass das Foliendach, was über den Innenhof vorgesehen war, wegfällt. Das war ja vorgesehen, in den Innenhof des Neubaus ein Studierendenservicecenter zu bauen, auch da ist man sich nicht sicher, ob das so funktioniert, wie es ursprünglich vorgesehen war und verzichtet darauf, das Studierendenservicecenter wird im Bereich der Halle neu geplant. Also wir werden es bekommen, nur eben nicht im Neubau, sondern im Bereich der Halle.
Hertz 87.9: Wie könnte das aussehen, die Halle ist ja schon recht voll, recht schmal?
Lohuis: Da wird man Architekten suchen, die dafür gute Ideen haben, wie man dem Bereich, in dem unten die Shops und Durchgänge sind, wie man da jetzt eine Öffnung hinbekommen kann, also das die Funktionalitäten, darum geht es ja letztendlich. Das Studierendenservicecenter sollte ja als Beratungspunkt für Studierende alles an einem Ort haben. Und da werden wir schauen, dass wir diese Funktionalitäten anders hinbekommen. Letztendlich hat es auch den Aspekt, dass wir unsere Halle wieder aufwerten, wenn dann solch ein wichtiger Anlaufpunkt für die Hauptzielgruppe der Universität eben im Bereich der Halle gebaut wird.
Hertz 87.9: Wie steht die Uni generell zu diesen ganzen Streichungen?
Lohuis: Begeistert ist hier in der Uni selbstverständlich niemand, weil wir einen hochattraktiven Entwurf hatten und wir uns drauf gefreut haben, in ein solches Gebäude einzuziehen. Allerdings muss man sagen, es ging gar nicht voran und wir sind natürlich auch involviert in die Probleme, die da im Planungsprozess passiert sind und sind jetzt froh, dass es sehr konkrete Lösungsvorschläge gibt. Und ja, wir schlucken da die ein oder andere Pille, aber es wird jetzt tatsächlich vorangehen, die Weichen sind gestellt und das ist ganz wichtig, die Funktionalitäten sind gesichert. Also wir haben Abstriche bei der Attraktivität des Entwurfs, das ist richtig, aber nicht, was die Funktionalität betrifft und das war der Entscheidende Punkt für die Universität. Es geht hier darum, vernünftig studieren, lernen und arbeiten zu können. Dennoch, auch das muss man sagen, der Entwurf ist ja nicht komplett vom Tisch, sondern er behält viele der sehr positiven Elemente.
Hertz 87.9: Dann kommen wir mal zum Ersatzhörsaalgebäude. Das ist als Ersatz für den Audimax vorgesehen, weil der 2019 in den Bauabschnitt fällt und damit nicht mehr zur Verfügung steht.
Lohuis: Es gibt zwei Gründe für diesen Plan des Rektorats. Das eine ist: Wir haben einen Bedarf an einen zusätzlichen Hörsaal. Das ist so, das ist bekannt, das ist auch vielfach diskutiert. In der Größenordnung 600 bis 800 Personen fehlt uns ein Hörsaal. Also hat sich das Rektorat auch immer wieder damit beschäftigt, wie man diesen Bedarf decken kann. Es ist immer Stückweit gescheitert an den finanziellen Möglichkeiten. Das war die eine Seite. Die andere Seite ist: Wir haben einen Audimax, der liegt mitten im ersten Bauabschnitt, und bisher sah es so aus, den Audimax, der ja auch saniert werden muss, für die Zeit von einem Sommersemester plus Ferien vor und nach dem Semester aus dem Betrieb zu nehmen und ihn in der Zeit zu sanieren, während drumherum gebaut wird. Der neue Projektleiter und sein Team sind zum Ergebnis gekommen, dass sie das Risiko nicht gehen können, weil sie nicht garantieren können, dass Lehre sinnvoll möglich ist. Es hat jetzt auch schon die Schadstoffentfrachtung gezeigt, auch das hatte schon Auswirkungen auf Lehre und im Audimax werden auch viele Prüfungen geschrieben, das hat schon nicht funktioniert, sodass wir zu der Einschätzung kommen, dass es nicht klappt. Wir müssen den Audimax wegen der Lehrbeeinträchtigung rausnehmen, es ist keine Lehre möglich, da muss man ehrlich sein und zwar auch dann, wenn drumherum gebaut wird, auch vom Sicherheitsaspekt. Es gibt verschiedene Gründe, warum man das jetzt gesagt hat, da haben wir gesagt okay, uns steht dieser Audimax drei Jahre nicht zur Verfügung, das kann die Uni nicht akzeptieren, wir brauchen diese Lehrflächen ganz zentral. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, was man machen kann: Eine Möglichkeit, das ist auch geprüft worden, Flächen in der Stadt anzumieten, Shuttleservices zu organisieren. Hat man geprüft, geht nicht, ist einfach nicht funktional, bei den vielen Studierenden, die man entsprechend transportieren müsste. Dann, zweite Variante: Flächen interimsmäßig zu schaffen, also ein Mobilgebäude für diese Bauzeit zu schaffen für drei Jahre. Das hat es in Aachen gegeben, das ist ein bisschen etwas wie ein erweitertes Zelt, das wird beheizt, das wird im Sommer gekühlt. Dass es funktioniert, hat sich in Aachen gezeigt, allein das würde auch schon einen siebenstelligen Betrag kosten. Und dann hat man gesagt, auch von Universitätsseite, dann sollten wir darüber nachdenken, ob wir das, wir brauchen sowieso nen Hörsaal, ob wir das zusammenbringen können und das ist gelungen. Das heißt, die Universität wird auf eigenen Kosten ein Hörsaalgebäude bauen und bekommt vom BLB Geld, das der BLB sonst für Interimsflächen ausgegeben hätte, das wäre aber zurückgebaut worden, jetzt fließt es in eine dauerhaftes Hörsaalgebäude, ist letztendlich eine Win-Win-Situation für Uni und BLB, der BLB ist diese Interimsherausforderung los und wir bekommen ein Hörsaalgebäude, was, wenn der Audimax saniert wird, on Top oben drauf kommt. Und diese Hörsaalgebäude soll ab 2020 zur Verfügung stehen,
Hertz 87.9: Dann gibt es aber doch auf jeden Fall, nach dem was ich gelesen habe, einen Ausfall, in Höhe der Kapazitäten des Audimax?
Lohuis: Na ja, da muss man ehrlich sein, der Audimax ist selten komplett voll. Realistisch sind es 800 Plätze die wir brauchen, das ist so ne Daumengröße. Voll ist er immer dann, wenn es außergewöhnliche Veranstaltungen zu stemmen gibt, wie die Erstsemesterbegrüßung oder den Hörsaalslam. Dann ist der Audimax tatsächlich voll, aber noch einen Hörsaal in der Größenordnung zu bauen macht keinen Sinn. Wir gehen auf die 800er Kapazität, da kommen wir gut mit über die Runden. Und nach drei Jahren steht der Audimax ja auch wieder zur Verfügung.
Hertz 87.9: Und die Pläne für den kleinen Raum dazwischen, wie löst man das, weil die Möglichkeit irgendwie Flächen in der Stadt anzumieten war ja vom Tisch?
Lohuis: Es geht um dieses Delta zwischen Sperrung Audimax und Eröffnung Hörsaalgebäude?
Hertz 87.9: Ja
Lohuis: Das wird momentan auch geprüft. Vielleicht ist da eine Leichtbauhalle für ein Semester die Lösung – vielleicht -und das ist auch budgetär vorgesehen – lässt es sich organisatorisch lösen, in Kommunikation mit den Fakultäten. Die Details sind da aber noch nicht klar, aber das ist eine Herausforderung, wo die Beteiligten überzeugt sind, dass man sie gehändelt bekommt. 
Hertz 87.9: Wo genau soll dann das neue Hörsaalgebäude stehen?
Lohuis: Das ist vorgesehen an der Konsequenz, da im Bereich der jetzigen Finnbahn, da wo wir ja auch jetzt im kommenden Jahr ein Gebäude mit Büroflächen bauen werden. Daneben soll das Gebäude entstehen. Wenn man davorsteht, links vom neuen Physik-Gebäude.
Hertz 87.9: Was wird das für eine Größenordnung, wie kann ich mir das vorstellen? In vorstellbaren Dimensionen?
Lohuis: Von der Größe jetzt? Keine Ahnung.
Hertz 87.9: Ein Fußballfeld, zwei Fußballfelder?
Lohuis: Nein, aber man hat ja ein Bild von einem 800er Hörsaal. Das ist praktisch der H1. Sowas in dieser Größenordnung ist der Hörsaal und dann wird es in diesem Gebäude noch eine Handvoll Seminarrräume geben. Die Planungen laufen jetzt an. So bekommen wir im Bereich der Seminarräume auch noch Kapazitäten, die ja auch nötig sind.
Hertz 87.9: Und die Bauzeit für diesen Extrahörsaal sind jetzt drei Jahre, habe ich das richtig verstanden?
Lohuis: Na ja, Bauzeit. Erstmal müssen wir es durchplanen. Man wird einen Architekturwettbewerb dazu machen, man wird ein Planungsbüro beauftragen, dann wird man einen Generalunternehmer beauftragen, all das wird erstmal passieren bevor tatsächlich die Bagger anrollen. Die Bauzeit selbst ist dann sozusagen der Abschluss. Das Ganze soll dann 2020 abgeschlossen sein.
Hertz 87.9: Als letzte Frage noch zum Hochschulrat, der dem Ganzen zustimmen muss. Wie sind da die Chancen?
Lohuis: Na ja, das ist alles vorbesprochen, das kommt jetzt nicht aus heiterem Himmel. Der Hochschulrat stimmt nicht explizit diesem Bauvorhaben zu. Der stimmt dem Wirtschaftsplan zu. Und in diesem Wirtschaftsplan ist dieses Hörsaalgebäude entsprechend vorgesehen. Und mit der Zustimmung zum Wirtschaftsplan stimmt der Hochschulrat damit dann auch dem Bauvorhaben zu. Das ist so der Ablauf. Aber wir gehen alle davon aus, dass der Hochschulrat da keine Bedenken hat.
Hertz 87.9: Also steht dem ganzen Projekt nichts mehr im Weg?
Lohuis: Na ja. Man muss abwarten. Es gibt noch keine Baugenehmigung, so weit sind wir im Planungsprozess noch nicht. Also da sind sicher noch Dinge zu klären, Hürden zu nehmen. Aber erstmal sind alle ganz optimistisch und positiv und freuen sich diesen notwendigen Bedarf, der ja immer wieder artikuliert wird, der spürbar ist, Studierende wissen es besser als ich, angehen zu können.
Hertz 87.9: Wann ist der nächste Schritt erreicht?
Lohuis: Mit der Zustimmung vom Hochschulrat beginnt die Planungsphase. Dann wird unser Dezernat FM (Facility Management) loslegen und entsprechend Architekturwettbewerb, Planungen, Planerbüro und so weiter auf den Weg bringen. Das ist ja wichtig in diesem Fall: Das bauen wir selbst. Nicht der BLB. Sondern das wird von uns selbst gesteuert, genau wie das Bürogebäude an der Konsequenz auch.