“Briefmarke auf den … und weg!”

Beim Spiel TV Friesen Milse 2 gegen den FC Hilal Spor Bielefeld hat der Schiedsrichter die Partie abgebrochen, nachdem er von einem Spieler einen Schlag und eine Kopfnuss bekommen hat. Das Match zwischen BSV West 2 und der Spielvereinigung Heepen ist abgebrochen worden, nachdem der Schiedsrichter beleidigt und bedroht wurde. Beim Spiel TuS v. 1923 Hoberge-Uerentrup gegen SCE Rot-Weiß Bielefeld ist es zu Beleidigungen gegenüber dem Schiedsrichter gekommen. Dieser hatte mehrere Platzverweise gezeigt und der SCE Rot-Weiß hat sich daraufhin entschieden, den Platz zu verlassen. TuRa 06 Bielefeld gegen den FC Delta Bielefeld ist zwar nicht abgebrochen worden, aber es ist trotzdem zu massiven Beleidigungen gegenüber dem Schiedsrichter gekommen. Unrühmlicher Höhepunkt ist das Spiel TuS Ost Bielefeld 2 gegen Yek-Spor 03 Bielefeld gewesen. Hier ist es zu einer Massenschlägerei zwischen den Teams und den Zuschauern gekommen. Die Polizei und diverse Rettungswagen mussten zum Platz kommen. Krasse Zustände also. Es ist auch nicht das erste Mal, dass es zu solchen Szenen kommt.

Alarmierend ist die Situation auch für den Verband. Wir haben mit dem Vorsitzenden des Kreis-Schiedsrichterausschusses Philip Dräger und dem Kreisvositzenden des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen Markus Baumann gesprochen und beide zu den Vorfällen befragt. Manfred Schnieders, der Vizepräsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen hatte im Gespräch mit der Neuen Westfälischen bereits gefordert, dass gewalttätige Spieler ihre Sperre verkürzen können, wenn sie selbst als Schiedsrichter Partien pfeifen. Der Vorsitzende des Kreis-Schiedsrichterausschusses Philip Dräger hält von dieser Idee relativ wenig: “Der Vorschlag seitens unseres Landesverbandes geht aus unserer Sicht in die falsche Richtung. Man wird dahingehend ja mit Straftätern auf eine Stufe gestellt. Von daher ist das aus unserer Sicht der falsche Ansatz”

Dräger hat eine andere Idee und zwar höhere Strafen. Diese hatte er bereits im Gespräch mit Fupa Ostwestfalen als nötige Maßnahme empfunden. Jetzt konkretisiert er seine Vorstellungen: Aus unserer Sicht sollte die Strafe höher sein als die Hemmschwelle. Sprich: Es sollten letztlich Strafen ausgesprochen worden sein, seitens der Kreissportgerichte, die ein Jahr oder eine längere Sperre nach sich ziehen. Das heißt, wir können mit diesen Wochensperren da wenig anfangen und im Ergebnis beschäftigen wir uns auch wiederholt mit den gleichen Tätern.”

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Kreisvorsitzende des FLVW Bielefeld Markus Baumann: Die Spieler als auch die Vereine bezeichnen wir erstmal als Sportstraftäter, die sich vorrangig einer unabhängigen Sportgerichtsbarkeit zu stellen haben. Dabei sind aus meiner Sicht Strafen bishin zu einem langjährigen Ausschluss vom Spielbetrieb für Missetäter sowie Punktabzüge für mehrfach auffällige Vereine zwigend nötig. Aber darüber hat unsere unabhängige Gerichtsbarkeit zu entscheiden.” Beide fordern also jahrelange Strafen. Der Vorschlag von FLVW-Vize Manfred Schnieders scheint dabei nicht besonders gut anzukommen.

Dafür sieht Baumann die Vereine in der Pflicht: Für die Sicherheit sind Vereine verantwortlich und niemals der Verband. Die Vereine kennen ihre ‘Pappenheimer’ und müssen präventiv agieren. Hierzu haben wir in einer Auftaktveranstaltung alle Trainer der Kreisliga A vor ein paar Wochen sensibilisiert. Ein Spieler kann so wichtig für einen Verein niemals sein, wir sprechen hier von der 10. oder 11. Liga, dass ich es als Verein dulde, dass sich derart negativ präsentiert wird. Aus meiner Sicht Briefmarke auf den … und weg damit.”

Wir haben Dräger gefragt, ob er die Berfürchtung hat, dass bald gar keine Schiedsrichter mehr in der Kreisliga pfeifen: “Nein, das denke ich nicht. Letztlich sollte man allerdings auch seitens der Kreisschiedsrichterausschüsse die Qualität der Schiedsrichter mehr in den Fokus rücken. Das heißt, nicht jeden Kandidaten dann auch auf die Sportplätze zu lassen, sondern wirklich nur die geeigneten. Da gilt es auch den Hebel anzusetzen. Und entsprechend werden wir dann zukünftig, so jedenfalls unsere Philosophie, entsprechend weniger Probleme auf den Plätzen haben.”

Markus Baumann sieht die Situation aber nicht nur in Bielefeld: “Das Problem ist in Bielefeld nicht größer als in Dortmund oder Recklinghausen, also in den anderen großen Kreisen des FLVW sicherlich vergleichbar. Auf dem Land scheint es aber wohl anders zu sein. Mag sein, dass dort vielleicht die Sozialkompetenz höher ist. Das zu werten oder zu beurteilen, obliegt aber leider nicht uns.”

Abschließend ist sich der FLVW in Bielefeld einig, wie die Zukunft aussehen soll: Die Möglichkeit von jahrelangen Strafen, Vereine, die gewalttätige Spieler rausschmeißen und qualitativ höhere Schiedsrichterleistungen.